Was bedeutet Plug and Charge (PnC) im Ladeinfrastruktur-Kontext?
Plug and Charge: Von der Innovation zur regulatorischen Anforderung.
Die Elektromobilität entwickelt sich rasant weiter. Während in den vergangenen Jahren vor allem der Ausbau der Ladeinfrastruktur im Fokus stand, rücken nun zunehmend Themen wie Nutzerfreundlichkeit, Interoperabilität und regulatorische Konformität in den Vordergrund. Einer der Begriffe, der in diesem Kontext immer relevanter wird, ist „Plug and Charge“.
Was lange als reine Komfortfunktion wahrgenommen wurde, entwickelt sich aktuell zu einem wichtigen Branchenstandard. Gleichzeitig sorgen neue europäische Vorgaben dafür, dass sich Betreiber und Eigentümer von Ladepunkten bereits heute mit den technischen Voraussetzungen auseinandersetzen sollten.
Was bedeutet Plug and Charge (PnC)?
Plug and Charge beschreibt das automatische Authentifizieren eines Elektrofahrzeugs an einer Ladestation. Der Fahrer steckt das Ladekabel ein, das Fahrzeug identifiziert sich selbständig gegenüber der Ladeinfrastruktur und der Ladevorgang startet automatisch – ohne RFID-Karte, App oder andere manuelle Authentifizierungsschritte.
Die Grundlage hierfür bildet die internationale Normenreihe ISO 15118, die die sichere Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladepunkt regelt.
Dabei wird zwischen zwei relevanten Standards unterschieden:
ISO 15118-2 bildet die technische Grundlage für Plug and Charge.
ISO 15118-20 erweitert die Funktionen unter anderem um Möglichkeiten für bidirektionales Laden (Vehicle-to-Grid bzw. Vehicle-to-X).
Für Nutzer bedeutet dies ein deutlich komfortableres Ladeerlebnis. Für Betreiber ergeben sich gleichzeitig neue Anforderungen an die eingesetzte Hardware und Software.
Regulierung macht Plug and Charge zunehmend relevant
Die Bedeutung von Plug and Charge wird nicht allein durch Kundenanforderungen getrieben. Auch auf regulatorischer Ebene steigt die Relevanz deutlich.
Ein wesentlicher Faktor, warum das Thema immer relevanter wird, ist die Entwicklung der europäischen Regulierung nach AFIR und die Verordnung 2025/656:
Seit dem 08.01.2026 müssen alle neu errichteten oder umfassend erneuerten öffentlich zugänglichen Ladepunkte ISO 15118-2 unterstützen
Ab dem 01.01.2027 wird die Unterstützung von ISO 15118-20 für neu errichtete oder umfassend erneuerte Ladepunkte verpflichtend. Der Anwendungsbereich umfasst dabei auch nicht öffentlich zugängliche Ladepunkte
Für Unternehmen, die Ladeinfrastruktur aufbauen und betreiben, bedeutet dies vor allem eines: Die Berücksichtigung dieser Anforderungen sollte bereits heute Teil jeder Planung sein.
Wo steht der Markt aktuell?
Die Entwicklung im Markt ist auf allen Ebenen in vollem Gange, jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt:
Fahrzeughersteller treiben die Entwicklung voran
Immer mehr Fahrzeughersteller unterstützen Plug and Charge bereits heute. Besonders im Premiumsegment gehört die Funktion zunehmend zur Standardausstattung. Gleichzeitig wächst die Unterstützung im Volumensegment, wodurch die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter steigen dürfte.
Betreiber erweitern ihre Systeme
Auch auf Betreiberseite nimmt die Integration zu. Viele Charging Point Operator (CPO) und E-Mobility Service Provider (EMP) investieren in die notwendigen Backend-Prozesse und Zertifikatsstrukturen, um Plug and Charge im Alltag nutzbar zu machen.
Dennoch ist die Technologie aktuell noch nicht flächendeckend verfügbar. Unterschiedliche Implementierungsstände und Systemlandschaften sorgen weiterhin für eine hohe Marktdiversität.
Die größte Herausforderung liegt häufig in der Hardware
Insbesondere bei AC-Ladeinfrastruktur ist die technische Ausgangslage sehr unterschiedlich.
Während viele moderne DC-Ladestationen die Kommunikation nach ISO 15118 bereits seit Jahren unterstützen, verfügen die meisten AC-Ladestationen bislang nicht über die erforderliche PLC-Kommunikation (Power Line Communication). Ohne diese technische Grundlage kann Plug and Charge nicht umgesetzt werden.
Gerade deshalb gewinnt die Auswahl der richtigen Hardware und die Bewertung bestehender Infrastruktur zunehmend an Bedeutung.
Produktentwicklungen zeigen die Richtung des Marktes
Die aktuelle Produktstrategie vieler Hersteller verdeutlicht, wohin sich der Markt entwickelt.
Ein Beispiel hierfür sind die jüngsten Weiterentwicklungen vom eurpäischen Hardwarehersteller Alfen. Die aktuellen Produktupdates beschäftigen sich verstärkt mit der Unterstützung von ISO 15118-20 und den damit verbundenen Anwendungsfällen.
Besonders interessant: Die Weiterentwicklung geht inzwischen deutlich über Plug and Charge hinaus. Themen wie bidirektionales Laden, Vehicle-to-Grid und intelligente Energieintegration werden zunehmend Bestandteil der Produkt-Roadmaps.
Für Betreiber und Investoren wird damit deutlich, dass zukünftige Investitionsentscheidungen nicht nur die heutigen Anforderungen erfüllen sollten, sondern auch die technologischen Entwicklungen der nächsten Jahre berücksichtigen müssen.
Welcher Handlungsbedarf entsteht durch diese Entwicklungen?
Plug and Charge entwickelt sich mittelfristig zu einem zentralen Baustein für eine skalierbare und regulatorisch konforme Ladeinfrastruktur. Durch die Regulatorik ergibt sich konkreter Handlungsbedarf, insbesondere bei:
Neuinstallationen von Ladeinfrastruktur, bei der die relevanten Standards bereits heute berücksichtigt werden sollten
Erneuerung oder Ausbau bestehender Infrastruktur, bei denen zukünftige Anforderungen frühzeitig eingeplant werden müssen
Der Auswahl der passenden Ladehardware, insbesondere im Hinblick auf PLC-Fähigkeit und Updatefähigkeit
Bestehende Infrastruktur ist nicht automatisch betroffen – entscheidend sind dabei aber die individuelle Ausgangssituation sowie der Anwendungsfall.
Unser Ansatz im Hinblick auf Plug and Charge
Als herstellerunabhängiger Ladeinfrastrukturspezialist betrachten wir neue Technologien immer aus einer langfristigen Perspektive.
Bei der Bewertung und Auswahl unseres Hardwareportfolios stehen deshalb folgende Kriterien im Vordergrund:
Unterstützung relevanter Standards
Ladestationen müssen aktuelle und zukünftige Anforderungen erfüllen können. Dazu gehören insbesondere ISO 15118-2 sowie perspektivisch ISO 15118-20.
Zukunftsfähige Kommunikationsschnittstellen
Die Unterstützung von PLC-Kommunikation bildet eine wesentliche Voraussetzung für Plug and Charge und weitere Funktionen der ISO-15118-Familie.
Updatefähigkeit
Firmware-Updates und Software-Erweiterungen spielen eine zentrale Rolle, um regulatorische und technische Anforderungen auch zukünftig erfüllen zu können.
Interoperabilität
Eine Ladeinfrastruktur sollte unabhängig von einzelnen Herstellern mit verschiedenen Backend-, Abrechnungs- und Energiemanagementsystemen zusammenarbeiten können.
Regulatorische Sicherheit
Neue gesetzliche Anforderungen müssen frühzeitig berücksichtigt werden, um Investitionen langfristig abzusichern.
Fazit: Jetzt die richtigen Weichen stellen
Plug and Charge ist längst mehr als eine Komfortfunktion. Die Technologie entwickelt sich zu einem zentralen Baustein einer modernen, nutzerfreundlichen und regulatorisch konformen Ladeinfrastruktur.
Mit den kommenden Anforderungen rund um ISO 15118-2 und ISO 15118-20 wird das Thema für Betreiber, Unternehmen und Investoren zunehmend relevant. Gerade deshalb lohnt sich eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der eigenen Ladeinfrastruktur und den zukünftigen Anforderungen.
Wer heute die richtigen Entscheidungen trifft, vermeidet spätere Nachrüstungen und schafft die Grundlage für eine zukunftsfähige Ladeinfrastruktur.
Bei Chargemaker beobachten wir die Markt- und Regulierungsentwicklung kontinuierlich und unterstützen unsere Kunden dabei, die richtigen technologischen Entscheidungen für eine langfristig erfolgreiche Ladeinfrastruktur zu treffen.
Wir beraten Sie gerne unverbindlich zum Auf- und Ausbau zukunftssicherer Ladeinfrastruktur: